Frühe Förderung in Pfäffikon – für einen guten Start ins Leben

Frühe Förderung wirkt
Die ersten Lebensjahre – von der Schwangerschaft bis zum Kindergarteneintritt – sind entscheidend für die spätere Entwicklung eines Menschen. In dieser Zeit werden die Grundlagen fürs Lernen, die Sprache und die soziale Kompetenz gelegt. Früh gemachte Erfahrungen prägen die Lernbereitschaft, Belastbarkeit und Bindungsfähigkeit nachhaltig. Sie haben einen massgebenden Einfluss auf die weitere Entwicklung, wie auch den Schulerfolg.
Weil das Gehirn in den ersten Lebensjahren besonders aufnahmefähig ist, können früh erkannte Entwicklungsverzögerungen oft mit verhältnismässig wenig Aufwand ausgeglichen werden. Spätere Fördermassnahmen sind deutlich aufwändiger. Investitionen in Angebote der Frühen Kindheit zahlen sich mehrfach aus. Gemeinden, die in Vorschulangebote investieren, konnten langfristig in der Schule Kosten einsparen – etwa bei Deutsch als Zweitsprache (DAZ), Psychomotorik oder Klassenassistenzen.
Gemeinden in der Verantwortung
Die Gemeinde kann eine entwicklungsfördernde Umgebung schaffen: Durch vernetzte, qualitativ gute und kostengünstige Angebote, durch Information und Unterstützung der Eltern, durch Früherkennung, sowie durch einen koordinierten Eintritt in den Kindergarten und in die Schule. Diese Ziele verfolgt auch die kantonale Strategie «Frühe Förderung» (2012) (siehe QR-Code). So gelingt durch die Kinder eine nachhaltige Investition in die Zukunft der ganzen Gemeinde.

Der Aufbau eines Angebots der Frühen Förderung ist ein Legislaturziel 2022 –2026 des Gemeinderats. Er hat die Fachstelle «Kind Jugend Integration» mit einer Analyse und Handlungsempfehlungen beauftragt. Fachpersonen aus Schule, Verwaltung und dem Frühbereich sowie Vertretungen aus Gemeinderat und Sozialbehörde begleiteten in einer Projektgruppe die Erarbeitung des vorliegenden Antrags.
Grosse Unterschiede beim Schuleintritt
Die Erfahrungen der Schule Pfäffikon zeigen: Beim Schuleintritt bestehen grosse Entwicklungsunterschiede – manche Kinder tun sich schwer mit der Feinmotorik, Selbstständigkeit und im sozialen Verhalten. Der Förderbedarf wird oft erst im Kindergarten erkannt, was die Schule personell und finanziell stark belastet. Rund ein Viertel der Kinder benötigt Deutschförderung, 15% brauchen Logopädie. Auch die zunehmende Mediennutzung im Vorschulalter ist eine Herausforderung. Untersuchungen belegen, dass unbegleiteter Bildschirmkonsum die sozial-emotionale Entwicklung negativ beeinflussen kann.Durch Sensibilisierung und direkte Ansprache der Eltern, frühzeitige Unterstützung, gezielte Vernetzung und einen verbesserten Übergang in den Kindergarten, z.B. über Spielgruppenbesuche, können die genannten Schwierigkeiten wirksam angegangen werden. Damit das gelingt, gilt es die Erreichbarkeit der Familien zu erhöhen, die Qualitätsstandards der Angebote weiterzuentwickeln und das Wissen über die Früherkennung bei allen Beteiligten zu stärken.
Die Gemeinde Pfäffikon fördert Kinder im Vorschulalter bereits über den Familienverein. Die Spielgruppe Chnopf wird für ihre Angebote zur frühen Sprachbildung unterstützt. Familien erhalten im kantonalen Kinder- und Jugendhilfezentrum (kjz) Unterstützung und Beratung bei Erziehungsfragen, in familiären Konfliktsituationen oder bei Herausforderungen im Alltag. Doch weist auch die UNICEF-Analyse zur Kinderfreundlichkeit von Pfäffikon (2024) darauf hin, dass in der Gemeinde eine zentrale Koordinationsstelle für Familienangebote fehlt und dass es an Treffpunkten wie Spielplätzen mangelt. Diese Koordinationsstelle soll jetzt geschaffen werden und damit einhergehend ein direkter und niederschwelliger Zugang, besonders für belastete Familien und solche ohne Deutschkenntnisse.
Andere Gemeinden machen es vor
Vergleichbare Gemeinden wie Wald, Bassersdorf und Meilen verfügen seit einigen Jahren über ein Angebot der Frühen Förderung. Sie wurden zum Vergleich herangezogen. In allen drei Gemeinden fördert eine Fach- und Koordinationsstelle die Vernetzung, die Qualität und Erreichbarkeit der Angebote und betreibt Treffpunkte oder unterstützt diese fachlich und finanziell. Der Übergang in den Kindergarten wird in Zusammenarbeit mit der Schule aktiv und frühzeitig bearbeitet. Auch benachbarte Gemeinden, wie Wetzikon, Illnau-Effretikon, Rüti oder Hinwil haben Massnahmen ergriffen und entsprechende Strukturen geschaffen.

Von Anfang an gut begleitet – eine Koordinationsstelle für Pfäffikon
Die in Pfäffikon geplante Koordinationsstelle vernetzt und ergänzt bestehende Angebote. Sie entwickelt neue Massnahmen, um Familien frühzeitig zu erreichen, niederschwellige Unterstützung zu stärken und die Früherkennung zu verbessern. Die Projektgruppe hat hierfür sieben Handlungsfelder definiert mit dem Ziel, alle Kinder in Pfäffikon zu erreichen und im Bedarfsfall zu fördern. Da frühe Förderung auf Freiwilligkeit beruht, ist es wichtig, eine breite Palette an Angeboten zu schaffen, um möglichst viele Eltern zu erreichen. Dabei handelt es sich einerseits um eigene Angebote, wie ein Vorkindergartenanlass, an dem Eltern für die Bedeutung der frühen Kindheit sensibilisiert und über vorbereitende Massnahmen informiert werden. Die Vernetzung junger Eltern, ein Vorkindergartenangebot für Kinder mit Entwicklungsrückständen oder zur Förderung der Deutschkenntnisse sind ebenfalls angedacht. Andererseits sind Angebote vorgesehen, die in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen umgesetzt werden, etwa direkte Interventionen zu Hause (siehe Kasten «Schritt:weise»*). Zudem sollen Treffpunkte gefördert werden – etwa offene Turnhallen für kleine Kinder mit ihren Eltern im Winterhalbjahr. Sie sind attraktive und wichtige Orte der Vernetzung und der Informationsvermittlung.
Die Erfahrungen der Vergleichsgemeinden zeigen, dass eine wirksame Koordinationsstelle rund 60 Stellenprozente erfordert und der Aufbau von zielorientierten Massnahmen vier bis fünf Jahre dauert. Zunächst fallen vor allem Personalkosten an, die Ausgaben für Angebote mit Dritten sind schrittweise ansteigend geplant wie in der Grafik ausgewiesen. Ab 2030 sollen die Kosten stabil bleiben; dann ist auch die Evaluation der Wirkung geplant.

Geplante Kostenentwicklung der frühen Förderung
Entscheid an der Gemeindeversammlung
Gemeinderat, Schulpflege, Sozialbehörde und die RGPK empfehlen, die Vorlage am 8. Dezember an der Gemeindeversammlung anzunehmen – für ein Pfäffikon, das allen Kindern einen guten Start ins Leben ermöglicht.
Link zur Broschüre Gemeindeversammlung 8. Dezember 2025
Daniel Beckmann
Gemeindeschreiber
*Schritt:weise – Ein Beispiel für frühe Förderung aus der Gemeinde Bassersdorf
Im Rahmen des Programms Schritt:weise besucht eine geschulte Person sozial belastete Familien mit Kleinkindern wöchentlich. Bei den Hausbesuchen wird das Kind in seiner individuellen Entwicklung begleitet und die Eltern angeleitet, wie sie ihr Kind im Spiel fördern und in den Alltag einbeziehen können. Die Familien nehmen an regelmässigen Gruppentreffen teil und werden in andere Angebote eingeführt. Die Kinder werden in ihren Ressourcen gestärkt und erhalten durch das Programm einen chancengerechten Start in den Kindergarten. In der Folge konnten in der Schule die Fördermassnahmen reduziert werden.