26.08.2020

Ergebnisse aus dem Monitoring Pilotversuch Einbahnring im Zentrum Pfäffikon

Der Gewerbeverein hatte im letzten Jahr dem Gemeinderat vorgeschlagen, die aus seiner Sicht unbefriedigende Verkehrslage im Zentrumsgebiet mit einem Einbahnring besser zu gestalten. Der Gemeinderat nahm die Idee auf und setzte einen Pilotversuch „Einbahnring im Zentrum von Pfäffikon“ vom 3. November bis zum 15. Dezember 2019 als Testphase um. Zeitgleich hatte das Bauamt dazu eine Online-Umfrage gestartet, welche von Pfäffikerinnen und Pfäffikern wie auch von auswärtigen Verkehrsteilnehmenden zahlreich ausgefüllt wurde. Aufgrund der nun ausgewerteten Erfahrungen mit dem Einbahnring hat sich der Gemeinderat entschieden, das Projekt nicht weiterzuverfolgen jedoch punktuelle Erkenntnisse in die weitere Verkehrsplanung einfliessen zu lassen.

Rund 13’000 Fahrzeuge durchqueren täglich das Zentrum von Pfäffikon. Aufgrund der teilweise sehr engen Platzverhältnisse im Bereich Kempttal-/Hochstrasse gelangte der Vorstand des Gewerbevereins Pfäffikon mit der Idee zur Einführung eines Einbahnrings im Zentrumsbereich von Pfäffikon an den Gemeinderat. Ziel dieses neuen Verkehrsregimes war, die Sicherheit für den Langsamverkehr zu erhöhen, zusätzlichen Parkraum bzw. Freiflächen zu generieren und die Aufenthaltsqualität insgesamt zu verbessern.

Der Gemeinderat nahm diesen Wunsch auf und setzte den Pilotbetrieb mit der Verkehrsführung im Einbahnring vom 3. November bis zum 15. Dezember 2019 als Testphase um.

Online-Umfrage zum Pilotversuch für die Öffentlichkeit
Zeitgleich zum Pilotversuch wurde auf der Homepage der Gemeinde Pfäffikon eine Online-Umfrage aufgeschaltet, damit sich die Bevölkerung zum Pilotversuch Einbahnring äussern konnte. Die Umfrage beinhaltete 15 Fragen (Multiple-Choice) und mehrere Kommentarfelder, damit Bemerkungen eingetragen werden konnten. Die Umfrage war vom 4. November 2019 bis am 6. Januar 2020 Online und wurde 2‘594 Mal ausgefüllt. 22% der Personen, welche die Umfrage ausgefüllt haben, sind nicht in Pfäffikon wohnhaft. Weil die Umfrage anonym durchgeführt worden ist kann nicht ausgeschlossen werden, dass Fragen teilweise nicht wahrheitsgetreu beantwortet wurden oder dass dieselbe Person mehrmals an der Umfrage teilgenommen hat. Die Auswertung ist somit nicht abschliessend repräsentativ, vermittelt jedoch einen guten Eindruck des Stimmungsbildes. Nachfolgend einige interessante Zahlen:

Wohnhaft in Pfäffikon:

ja2‘02978 %
nein56522 %

Beurteilung heutige Verkehrssituation:

gut1‘07942 %
befriedigend50119 %
schlecht1‘01439 %

Einbahnring als dauerhafte Lösung:

ja57622 %
nein1‘88873 %
weiss nicht1305 %

Temporeduktion auf Hauptstrassen im Zentrumsgebiet:

ja – Tempo 3049719 %
ja – Tempo 4053621 %
nein1‘56160 %

Neue Haltestellenanordnung der Buslinie 830:

besser39415 %
gleich1988 %
schlechter96437 %
weiss nicht (benutze Bus nicht)1‘03840 %
Ergeb

Ergebnisse des Monitoringkonzepts
Damit über den Pilotversuch aussagekräftige Schlüsse gezogen werden können, wurde vor der Inbetriebnahme des Einbahnregimes ein Monitoringkonzept erarbeitet. Mit Sensoren wurden die Verkehrsflüsse und -Bewegungen aufgezeichnet um herauszufinden, ob das Regime aus verkehrstechnischer Sicht funktioniert. Dieses zeigt folgende Ergebnisse:

Aus Sicht Leistungsfähigkeit funktioniert der Einbahnring für den motorisierten Individualverkehr.
An allen Knoten wurde eine ausreichende Leistungsfähigkeit erreicht. Die Staus, welche während der Hauptverkehrszeiten nach wie vor entstanden, wurden nicht durch das Einbahnregime ausgelöst, sondern durch andere überlastete Knoten und die geschlossenen Bahnübergänge. Die Knoten wurden durch das Einbahnregime vereinfacht. Das Linksabbiegen, welches heute mit hohen Wartezeiten verbunden ist, wurde durch einen längeren Fahrweg ersetzt (z.B. Linksabbieger Russiker-/Bahnhofstrasse oder Linksabbieger Bahnhof-/Hochstrasse).

Der Einbahnring führt zu einer Verkehrsverteilung.
Die Verkehrsverteilung bedeutet eine Entlastung für gewisse Abschnitte (Kempttal-/Hochstrasse) und eine Mehrbelastung für andere Abschnitte (Bahnhof-/Turm- und Tunnelstrasse). Systembedingt sind damit Umwegfahrten (Mehrkilometer, höhere Emissionen) verbunden. Ganz grob geschätzt entstanden pro Tag rund 1’500 km Umwegfahrten durch den Einbahnring. Die Verkehrsverteilung führte jedoch zu einem Platzgewinn an bestehenden Engstellen auf der Kempttal-/Hochstrasse mit einem Gestaltungspotenzial der entsprechend frei gewordenen Räume.

Der Pilotversuch führte zu vermehrtem Ausweichverkehr auf untergeordneten Achsen.
Aufgrund der regimebedingten Umwegfahrten wurde vermehrt auf untergeordnete Achsen ausgewichen. Im Monitoring untersucht wurden die Obermatt- und Hotzenweidstrasse, welche während des Versuchsbetriebes eine Verkehrszunahme verzeichneten. Bei der Umsetzung einer definitiven Lösung müsste gezielt analysiert werden, welche Achsen von Ausweichverkehr betroffen sind. Wo dieser nicht erwünscht ist, wären flankierende Massnahmen zum Schutz der Wohnquartiere zu treffen.

Im Pilotversuch war die Situation für den Velo- und Fussverkehr nicht befriedigend gelöst.
Wie von vielen zu Recht kritisiert wurde, war die Situation für den Velo- und Fussverkehr im Pilotversuch nicht befriedigend gelöst. Die Verbesserung des Langsamverkehrs wäre an bauliche Massnahmen gebunden. Im Pilotversuch musste man sich aus Zeit- und Kostengründen jedoch nur auf Markierungen, Signalisationen und den Einsatz von Fertigelementen beschränken. Daher konnte eine optimale Führung des Langsamverkehrs nicht zufriedenstellend umgesetzt werden. Bei einer definitiven Lösung würden separate Velowege sowie breitere Trottoirs entstehen. Auch die Fussgängerübergänge an neuralgischen Punkten würden dann gemäss den Vorschriften eingeplant.

Der Rückhalt in der Bevölkerung für eine Einbahnlösung ist gering.
Die Online-Umfrage sowie weitere bei der Gemeinde eingegangene Rückmeldungen zeigen, dass der Rückhalt in der Bevölkerung für eine Verkehrsführung im Einbahnring tief ist. Gemäss den Befragten sollte der Verkehr besser auf eine Achse konzentriert, als auf mehrere Achsen verteilt werden. Mit dem Pilotversuch konnte das gestalterische Potenzial eines Ringverkehrs nicht ausgeschöpft werden. Allenfalls würde dies bei einem Teil der Befragten zu einem Meinungsumschwung führen. Das gestalterische Potential der im Zonenplan ausgeschiedenen Zentrumszone könnte jedoch mit dem Einbahnregime nur eingeschränkt genutzt werden.

Fazit und weiteres Vorgehen
Es darf festgestellt werden, dass der Pilotversuch insgesamt störungs- und unfallfrei verlaufen ist und zu aufschlussreichen Ergebnissen geführt hat. Die Auswertung der Online-Umfrage hat ergeben, dass rund drei Viertel aller Umfrageteilnehmenden einen Einbahnring als dauerhafte Lösung ablehnen. Viele der negativen Rückmeldungen sind auf die fehlenden Massnahmen für den Langsamverkehr zurückzuführen. Weitere betreffen die negativen Auswirkungen bezüglich Lärm- und Verkehrsverlagerungen sowie die Umwegfahrten. Bestimmt könnte mit einem ausgereiften Konzept eine verbesserte Zustimmung erreicht werden. Dazu müssten die Bedürfnisse des Langsamverkehrs und der ÖV-Nutzenden jedoch konsequent umgesetzt werden und zusätzlich mit flankierenden Massnahmen der Ausweichverkehr minimiert werden.

Aufgrund der Erwägungen wird die Planung zur Umsetzung eines Einbahnrings in der Zentrumszone von Pfäffikon derzeit nicht weiterverfolgt. Die Ergebnisse aus dem Pilotversuch werden aber bei den weiteren Planungsarbeiten mitberücksichtigt.

Link zum Gemeinderatsbeschluss Pilotversuch für Einbahnring im Zentrum von Pfäffikon

Freundliche Grüsse
Bennie Lehmann, Gemeindeschreiber-Stellvertreter